Mit Aufklebern und Aluhüten – die #mussmanwissen-Ausbeute der bundesweiten Mahnwache in Berlin (29.08.2015)

Nimmt Kontakt auf: Angela Merkel

Berlin, Hauptbahnhof (Washingtonplatz): Wichteldemo. Eigentlich wollten wir heute ausschließlich aus dem Hintergrund beobachten, uns anschleichen, nicht auffallen. Agentenlike spionieren. Eigentlich. Aber ich hatte diese Rolle Alufolie dabei. Kaum an unserem Beobachtungspunkt angekommen fingen wir an sie uns um dem Kopf zu wickeln. Und schon war sie da: die Aufmerksamkeit.

Es dauerte wirklich nicht lange. Höchstens fünf Minuten. Ich hatte noch nichtmal meinen Donut aufgegessen den ich mir zur Nervenstärkung organsiert hatte. Wir positionierten uns gerade abseits der Demo, sozusagen am „Ereignishorizont“ der Wahnmache, da kam eine Gruppe gut angetrunkener Junggesellenabschiedsfeierer auf uns zu und bat, ich möge dem als Hobbit verkleideten Bräutigam einen Aluhut basteln (Ich hielt ihn mit seiner braunen Pferdedecke erst für einen Jedi, aber gut). Gerne doch. Aber auf die aufgesteckten Elfenohren soll ich aufpassen. Dass sie nicht abfallen. Ich nicke und weise darauf hin dass es Vulkanier-Ohren seien, keine Elfen. Elfenohren sind länger. Aber das kann ja mal passieren. Der Hobbit zeigt auf mein Star Trek-Tattoo und jubelt. Hurra!
Wer wir sind und was wir machen, fragen sie. Satire machen wir, Aluhüte verteilen, ein Gegenwicht für die Verschwörungs- und Friedenswichtel dort vorne bilden. Wir ernten Applaus und gaben der gut angeheiterten Gruppe junger Männer noch einen kleinen Stapel „Flugscheiben“-Aufkleber mit. Sichtlich glücklich zogen sie weiter und erfreuten sich an ihrem Hobbit mit Aluhut.

Inzwischen hatte sich unsere Anwesenheit unter den Demonstranten herumgesprochen. Immer wieder wurde aus dem Hintergrund mit den Fingern auf uns gezeigt, und kurz darauf waren wir von Touristen und Wahnwichteln gleichermaßen umringt, wurden fotografiert, gefilmt und mit Fragen bombardiert. Irgendwann fing ich an in jede Kamera zu winken die sich auf uns richtete.
Ein Demonstrant wagte sich zu uns und suchte das Gespräch. Wer sind wir, was machen wir hier, wovor haben wir Angst? „Vor gar nichts!“, antworte ich und rücke den Aluhut zurecht, den es mir mehrfach vom Kopf geweht hat (der Inhalte wegen – und auch ein wenig aufgrund des Windes). „Aber ich habe Angst vor Euch, Ihr relativiert den Krieg! Wegen Leuten wie Euch haben wir hier keinen Frieden!“, schimpft er und legt mir den Flugscheiben-Aufkleber wieder zurück, den er von meinem Kollegen entgegen genommen hatte. Ich lächle, nicke wissend und schweige. Er kam wieder um andere Demonstranten vor uns zu warnen. „Mit denen kannste nich‘ reden, Junge. Die sind von der NWO!“

Inkongnito: meine Agenten.

Inkognito: meine Agenten.

Positiv überrascht haben mich zwei junge Männer, die sich als Mitveranstalter der Demonstration vorgestellt hatten. Wir kamen zwar nicht wirklich ins tiefe Gespräch (dazu war es auch zu unruhig), aber er war voll des Lobes über meines „Schwerter zu Flugscheiben“-Designs und versprach sich unsere Seite mal anzusehen. Viele seien einfach nur radikal und würden nicht nachdenken, sagte er. „Zu viele Verschwörungstheoretiker in der Friedensbewegung. Und zu viele Leute die einfach nur ‚Dagegen!‘ sind ohne Lösungsvorschläge zu bringen.“
Der Frieden sei ihm wichtig und er findet gut dass wir uns engagieren, auch wenn wir eigentlich von der Gegenseite sind. Was wir noch machen, außer auf Demos präsent seien? „Aufklärung.“, antworte ich. „Wir klären auf über die Nepper, Schlepper und Bauernfänger. Posten die ganz verschwurbelten Inhalte auf unserer Facebook-Seite und beraten beim Sekten-/Verschwörungsideologienausstieg.“ Sehr gut, findet er. Hauptsache Aktivismus. Hauptsache konstruktiv. Damit könne man arbeiten. Wir sehen uns! „Ja,“ lächle ich. Gerne doch.

Als besonderes Highlight kreiste über der Veranstaltung kurze Zeit ein Hubschrauber der Bundespolizei, aus dem drei Fallschirmspringer absprangen. Einer zog ein Transparent der BP hinter sich her und die zwei anderen sprühten irgendwas… vermutlich Nano-RFID-Chips, Morgellons, oder Mind-Control-Hologramme um die Friedensbewegung zu torpedieren. Egal. Wir haben gefeiert. Video: https://www.facebook.com/DerGoldeneAluhut/videos/vb.1465246933737898/1605692906359966/

Unterm Schnitt waren wir zwei Stunden nur damit beschäftigt uns mit Touristen und Demonstranten zu unterhalten. Es lief alles sehr friedlich ab, aber von den Inhalten haben wir nur sehr wenig mitbekommen (nur einmal, da haben wir uns alle mit schmerzverzerrtem Gesicht angehört wie eine Frau in Mikrofon geweint (!!) hat wo das mit Deutschland noch hinführen soll). Aber wie sagt man so schön: kennst du eine Wichteldemo, kennst du alle.

Natürlich haben wir nicht nur Desinformation verteilt, sondern auch welche erhalten. Hier die Ausbeute des #mussmanwissen des heutiges Tages.

(Der Hartz IV-Flyer ist vermutlich der einzige mit ohne Aluhut. Höchstens ein bisschen.)

Da knistert es im Aluhut. Sogar Demonstranten kamen zu uns um uns auf diesen verschwurbelten Inhalt aufmerksam zu machen.

Nur fotografieren, nicht behalten: der universelle Werteaustausch

Nur fotografieren, nicht behalten: der universelle Werteaustausch

Der vermutlich vernünftigste Flyer des Tages.

Der vermutlich vernünftigste Flyer des Tages.

Ganz viel #mussmanwissen!

Ganz viel #mussmanwissen!

Artikel von Ken Jebsen himself. Klicken zum vergrößern.

Artikel von Ken Jebsen himself. Klicken zum vergrößern.

Unser Desinformationsagent vom Zentralrat der wahnwichtelnden Aluhutträger ist aktuell am Potsdamer Platz bei der „After Show Party“ der heutigen Demonstration und hat uns freundlicherweise seine Fotos zur Verfügung gestellt.


von Giulia Silberberger

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