Von Schweizer Franken und Freimaurern

bonesmenKomisch, oder? In der heutigen Zeit versinken wir immer weiter im Sumpf der Freimaurer und Illuminaten. Seit Dan Brown im Buch „Illuminati“ und Nicolas Cage mit seinem Film „Das Vermächtnis des geheimen Buches“ die Welt zu Tode verschworen haben, wissen wir, dass sie unter uns sind. Im Stillen und Geheimen. Sie verstecken sich hinter Zeichen und Symbolen, wachen über unseren Köpfen mittels Drohnen und vergiften uns mit ihrem Chemtrails (angeblich giftige Kondensstreifen, die man mittels Passagier- und Militärflugzeugen über uns versprüht). Was diese enthalten und welchem Zweck sie dienen, darüber scheiden sich schon wieder die Geister.

Doch das Hauptaugenmerk legt diese geheime Gesellschaft auf die Regierungen und das Finanzwesen dieser Welt. – Glaube Sie nicht? Ist aber so! Zumindest, wenn man einem neuen Trend Glauben schenken darf, der sich gerade im Internet verbreitet.
Ja, das leidige Thema Internet und seine Verschwörungstheorien. Vermutlich fragen Sie sich jetzt, was das jetzt wieder für ein Schwachsinn ist. Aber halt! Versuchen wir doch ein ein wenig Licht an die „dunkle Magie“ zu lassen.

Ich stelle mich erst mal vor und zeige Ihnen, was mich dazu befähigt, über eine so fundamentale Anschuldigung einen aufklärenden Text zu schreiben. Schließlich bin ich ja auch nur „irgendein Typ“ im Internet. Auf der einen Seite, haben Sie da sicherlich recht. Auf der andern Seite hingegen, kann man schon mit einem einigermaßen logischen Verstand und sachkundiger Erfahrung der folgenen Theorie entgegentreten. Denn wir wir alle wissen: bei Geld hört die Freundschaft auf und fängt der Ernst des Lebens an.

Aus dem Grund noch ein paar Worte zu meiner Person, die sich jetzt auf die Behauptung unserer „Quelle“ stürzt, um Ihnen humorvoll zu vermitteln, was andere todernst für gelebte Realität halten.

Ich bin Felix Seidler, 23 Jahre jung und arbeite als Geschäftsstellenleiter einer Sparkasse am Bodensee. Durch die geographische Nähe zur Schweiz, ist es nahezu mein täglich Brot mich in der Touristenhauptsaison mit dem Schweizer Franken auseinanderzusetzen. Ich prüfe die Scheine Tag ein, Tag aus auf Echtheit und/oder Beschädigungen.
Der ein oder andere von Ihnen meint jetzt sicherlich, dass ich zu dem System der Illuminaten und Freimaurer gehören würden. À la: “Wessen Brot ich fress‘, dessen Lied singe ich.“ Ich kann Ihnen versichern: als Geschäftsstellenleiter verdiene ich lediglich nach Tarif öffentlicher Dienst (TvöD) und damit kann man auch keine großen Sprünge machen. Aber wenn Sie zufällig wissen, an wen ich mich aus der obersten „Elite“ wenden muss, sende ich der Person gerne meine neuen Gehaltsvorstellungen zu, damit ich diesen Text eventuell nicht noch umgestalte.
Nun aber mal Spaß bei Seite.

Unsere Quelle war augenscheinlich in Basel (CH) und musste mit der dort üblichen Währung zahlen: dem Schweizer Franken.

Screenshot von Facebook

Screenshot von Facebook

Kommen wir also nun zu unserer „verdächtigen Pyramide“ mit dem „Black Goo“. Beginnend mit der Pyramide möchte ich unsrer Quellen zum ersten Mal ein Lob aussprechen. Es ist vermutlich der erste und letzte richtige Teil in der gesamten Abhandlung zu seinem „Freimaurer-Schein“. Rein mathematisch gesehen handelt es sich um ein Dreieck. In der kubischen Geometrie auch Pyramide genannt. Naja gut, fast ein Lob. Denn es ist in erster Linie ein Wasserzeichen. Also doch nur eine Fläche und kein Raum. Die Pyramide lasse ich trotzdem gelten.

Ein kleiner Hintergrund zum „Black Goo“. Was ist das überhaupt?

Als „Grey Goo“ oder auch „Black Goo“ werden in der Schwurbler-Szene sog. Nano Bots oder intelligentes Öl bezeichnet. Je nachdem wen man fragt. Aber auch hier scheiden sich die Geister, was nun was genau bewirken soll. Die ganz Harten verkaufen das Zeug sogar als Globuli und versprechen „[…] die Signaturen von irdischem 7-Chakren-Black Goo als auch des ausserirdischen 3-Chakren Black Goo in sich[…]“ zu tragen. Weiter heißt es:

„ Damit stellt das Präparat in reinster Form „gut“ und „böse“ gegenüber, nämlich in Form der beiden stofflichen Pole der Dualität. Das Ziel ist die vollständige Wiederanbindung an das irdische Kollektivbewusstsein, die Rückkehr ins Paradies. Der Weg ist die Transformation der Dunkelheit die ein jeder noch in sich trägt. Da diese Dunkelheit – wie die Bereitschaft sie loszulassen – individuell sehr verschieden ist, liegt die Wirkpalette zwischen „nichts“ und dem Anstossen extrem intensiver Bewusstwerdungsprozesse, die sowohl emotionale Erfahrungen als auch körperliche Begleiterscheinungen umfassen können.“

Also als Klartext: keiner weiß was es bewirkt und wie es wirkt. Hauptsache etwas mit wohlklingenden Chakren und so weiter.

Nun aber zurück zu unserem Hauptanliegen. Dem 50 Franken-Schein. Was hat nun ein Globuli oder intelligentes Öl auf einem Schein verloren? Die Antwort: Rein gar nichts! Es handelt sich an der Stelle einfach um einen Löwenzahnsamen. Das gesamte Motiv sieht vollständig doch aufschlussreicher aus. Ich werde es zu späterer Gelegenheit zeigen, denn es kommen noch einige Punkte. Von daher ein Dankeschön an unsere „informative“ Quelle, aber das war wohl nichts. Kein „Black Goo“ auf dem 50 Franken-Schein.

Was hat es denn nun mit dem ominösen Polsprung zu tun, den man doch ganz eindeutig auf dem Schein sehen kann!?
Auch hier wieder ein kleiner Exkurs nach Schwurbelstanien.

Unsere Verschwörungstheoretiker behaupten, dass es bald einen Polsprung geben müsse. Das heißt, dass der magnetische Nord- und Südpol innerhalb einer kurzen Zeitspanne die Plätze tauschen werden oder sogar ganz verschwinden. Zugegeben, diese Annahme ist sogar zum Teil berechtigt, denn Forscher haben herausgefunden, dass es dieses Phänomen tatsächlich mal gegeben haben soll. Wie berechtigt diese Sorge nun aber tatsächlich ist, sei mal dahingestellt. Und ganz im Ernst, was hat die Schweiz für Absichten eine Art „Weltuntergangszenario“ auf ihre Banknoten zu drucken?

Einen Blick auf die Seite der Schweizer Nationalbank verrät schon, dass es sich bei dem 50er um eine neue Scheingenration handelt. Darin werden die sämtlichen, neuen Sicherheitsmerkmale beschrieben. Zusätzlich informieren die Zentralbänker in der Broschüre, dass jeder Schein ein eigenes Thema hat. Praktisch Wahrzeichen, die die Schweiz ausmachen. Im Fall des neuen 50 Franken-Scheins ist es das Thema „Wind“.
Also doch nochmal Glück gehabt! Keinen Polsprung, sondern nur die Hauptstromlinien der Winde am Nordpol.

Wer jetzt genau aufgepasst hat, merkt sicherlich, dass unsere Quelle mal selber einen „Poolsprung“ gewagt hat? Aber weiter im Text.

„Die schwarze Steine Black Goo hat der Papst auch in SoDOMa unter seinem DOM gelagert und manipuliert so da die Menschen mit schwarzer Magie und den schwarzen Steinen
Ich zeige euch diese komischen schwarzen Dinger mal von der Nahe das sind keine Pusteblumen Samen da ist sogar ein Geist drinnen zu sehen und wieso landet der direkt auf der Spitze der Pyramide. Ankunft von Aliens die sie in ihrem Laboren in der Inneren Erde heimlich geklont haben?“

Löwenzahnsamen auf einem Schweizer Franken-Schein.

Gut, eingangs hatten wir schon geklärt, dass es wohl keine „Black Goo – Steine“ geben wird. Warum also sollte nun der Papst in das Banknotengeschäft der Schweizer mit seinen kleinen „Zaubersteinen“ einsteigen? Abgesehen, dass er schon genug zu tun hat, war er noch nicht in meiner Filiale, um die bei mir gelagerten Franken-Scheine zu verhexen.

Diese „Black Goo – Steine“, die unsere Quelle meint zu sehen, sind nichts weiter als „Pusteblumensamen“. Weiter unten sieht man das gesamte Bild. Selbst das Dreieck mit dem Samen kann man relativ gut erkennen; von einem Geist mal ganz zu schweigen.

Da sind wir auch schon bei der Alien-Invasion. Heute ist echt alles vertreten. Wer hier jetzt auch noch Hinweise auf eine bevorstehende Alien-Invasion auf einem Geldschein findet. – Respekt. Die Schweizer sind ja richtige Orakel. Ich glaube hier erübrigt sich jegliche Argumentation.
Okay, aber Pfeile für den bevorstehenden Krieg? Die Schweiz? Rein historisch betrachtet ist die Schweiz der Inbegriff der Neutralität. Den letzten richtigen kriegerischen Konflikt hatten die Schweizer 1859/60 mit Napoleon dem III. Und damals gab es noch keine Schweizer Franken, so wie man sie heute kennt. Also was soll das für ein bedrohlicher Krieg sein, in dem die Schweiz involviert sein wird?

Hatte ich schon erwähnt, dass der 50 Franken-Schein das Thema „Wind“ hat? – Ja, irgendwo schon. Die Pfeile könnten also eher das Symbol der Windströme sein. Ist nur so eine verworfene These. Von daher hat dieser „Krieg“ anscheinend schon seine eigene Wahrheit torpediert.

So ganz nebenbei bemerkt, das obskure „Geistergesicht“ nennt man Wasserzeichen. Das ist keine Magie, das ist Physik. Die Faserschicht ist dort dünner, und bei durchscheinendem Licht wird das Wasserzeichen als transparenteres Bild sichtbar. Die Technik gibt es auch nicht erst seit dem es den Franken gibt, sondern wurde schon seit dem 13. Jahrhundert in Italien von Händlern verwendet, um ihre eigenen Dokumente fälschungssicher, bzw. wiedererkennbar zu gestalten.

Screenshot von Facebook

Ich überspringe hier mal diese „Kriegspfeile“. Das Konzept und Design des Geldscheins sollte ab hier klar geworden sein. Falls nicht, lesen Sie gerne nochmal ein paar Absätze oben erneut nach, was ich versucht habe zu verdeutlichen.

Wie Ihnen vielleicht jetzt erst aufgefallen ist, bin ich aus einem ganz bestimmten Grund nicht auf seine Herzen in den Texten und Bildern eingegangen. Diese Überraschung wollte ich Ihnen nicht vorenthalten. Unsere Quelle erzählt es Ihnen lieber selbst. Und ja, Sie haben sich nicht verlesen. Alle Herzen und Symbole, die unser Schwurbler in die Bilder integriert hat, dienen der „Reinigung“ und „Heilung“. Wer weiß, wer so eine Heilung noch vertragen könnte? – Ist zugegeben eine rhetorische Frage.
Unsere Quelle versucht also mit seiner „weißen Magie“ oder der Liebe diese schwarzmagischen Künste auszuschalten oder zumindest zu neutralisieren. Ob ihm das gelungen ist? Ich sage es mal so. Da hat er bei einer Scheinumlaufzahl von 48.940.949 Banknoten aber viel zu tun. Das ist nur die Umlaufzahl des 50 Franken-Scheins.


An dieser Stelle wird das gesamte Ausmaß des Schwurbels sichtbar. Wie sagt man so schön? Das Beste kommt zum Schluss. Diesen finalen Akt konnte unsere Quelle gar nicht besser gestalten.

Es ist natürlich eine Grundvoraussetzung zu „wissen“, dass unsere schweizer Nachbarn praktisch einen reinrassigen Nazi-Verein bilden, die mit Hakenkreuzen nur so um sich schmeißen. Das Typische bei Nazis zeigt sich hier in seinem ganzen Ausmaß. Aufgrund der nicht vorhandenen Gehirnmasse bekommen sie es nicht hin ein vollständiges Hakenkreuz zu zeichnen. So entstand vermutlich das Schweizer Kreuz. (Muss man wissen!)

Ganz stolz sind die Schweizer auf ihre schwarzmagischen Geldscheine, mit denen man sich Gegenstände und Dienstleistungen kaufen – pardon, herzaubern kann!

Wie? Sie schenken meiner Interpretation keinen Glauben und erkennen nur das Schweizer Kreuz? Keine Sorge, da sind Sie nicht die einzigen. Was unsere Quelle hier so nett als „Farbe ausgegangen“ bezeichnet, ist in Wahrheit ein sog. Durchsichtsregister. Diese Technik tritt nur dann zum Vorschein, wenn die Banknote gegen eine Lichtquelle gehalten wird. Leicht gefärbte Fasern werden dadurch erst sichtbar und das Symbol erscheint komplett. Das sollte man eigentlich schon von den gängigen Euroscheinen her kennen. Die Schweizer Zentralbank hat dieses System von der Europäischen Zentralbank, aufgrund der hohen Fälschungssicherheit adaptiert.

Was bleibt also abschließend zu sagen?

Wir hatten heute alles von schwarzer Magie, über die Freimauer-Verschwörung, den bösen Papst, bis hin zu einer drohenden Alien-Invasion. Doch was ist davon übrig geblieben?
Wenn man alles nüchtern betrachtet sind diese Behauptungen totaler Unfug und rein erfundene Tatsachenbehauptungen, die keiner Überprüfung auch nur im entferntesten standhalten.
Ich weiß jetzt schon das optimale Geschenk für unsere Quelle, damit ich auch meinen Seelenfrieden finden kann. – Einen Duden!

von Felix Seidler
Online-Redakteur und Content Manager beim goldenen Aluhut

Quellen:

http://www.snb.ch/de/mmr/reference/nb_50/source/nb_50.de.pdf

http://www.snb.ch/de/iabout/cash/id/cash_circulation

Ursula Rautenberg (Hrsg.): Reclams Sachlexikon des Buches. Reclam Verlag 2003. S. 532.

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