Kleines Organspende-FAQ

Immer wieder liest man im Internet den ein oder anderen Mythos über Organspende: beispielsweise Spender, die sich während der Entnahme noch vor Schmerzen krümmen, oder vom Spender auf den Empfänger übertragene Energien, Vorlieben und Charaktereigenschaften. Zeit, das Thema Organspende ein wenig genauer zu betrachten. Wer regelt die Organspende, welche Kriterien müssen für eine Spende erfüllt sein, und können wirklich Eigenschaften des Spenders auf den Empfänger übertragen werden?


1. Was ist Organspende?

Organspende ist die Spende von Organen einer lebenden oder verstorbenen Person.
Explantation beschreibt den Prozess der Organentnahme. Implantation ist ein Synonym für das Einfügen des Organs in den Körper des Empfängers. Der Begriff Transplantation beinhaltet beide Termini.

2. Was kann man alles spenden?
Eine Niere und einen Teil der Leber kann man lebend spenden. Als Verstorbener kann man das Herz, die Lungen, die Leber, die Nieren, das Pankreas (Bauchspeicheldrüse), die Haut und den Dünndarm spenden. Außerdem kann man Gewebe wie die Hornhaut, Teile des Knochens und der Sehnen spenden.

3. Wie kann ich meine Haltung zur Organspende festlegen?
Bindend kann man seine Haltung zur Organspende auf einem Organspendeausweis festlegen, den man immer im Portemonnaie bei sich tragen sollte. Es existiert kein zentrales Organspenderegister. Den Organspendeausweis kann man sich online unter www.organspende-info.de herunterladen.
Auf dem Organspendeausweis gibt es vier Möglichkeiten seine oder ihre Haltung festzuhalten:
• Man kann eine Organentnahme vollständig ablehnen.
• Man kann eine Organentnahme ablehnen bis auf bestimmte Organe.
• Man kann einer Organentnahme zustimmen bis auf bestimmte Organe.
• Man kann einer Organentnahme vollständig zustimmen.
Deswegen lohnt es sich auch für Personen, die eine Organspende ablehnen, einen Organspendeausweis zu besitzen. Zudem kann die Haltung zur Organspende bindend in einer Patientenverfügung festgehalten werden.

4. Was passiert, wenn ich für eine Organspende in Frage komme, aber meine Haltung nicht schriftlich festgehalten habe?
In diesem Fall müssen die nächsten Angehörigen über die Organentnahme entscheiden. Ihre Haltung ist gesetzlich bindend.

5. Wer darf Organe spenden? Welche Kriterien existieren?
Alter:
Für eine Organspende gibt es grundsätzlich keine Altersgrenze. Ab dem 14. Lebensjahr können Jugendliche eine Organspende ablehnen und ab dem 16. Lebensjahr dieser zustimmen. Auch ältere Menschen können in Abhängigkeit der Funktionstüchtigkeit ihrer Organe diese spenden. (Sehnen können nur bis zu dem 65. Lebensjahr und Haut kann nur bis zum 75. Lebensjahr gespendet werden.)
Erkrankungen:
Einige Erkrankungen schließen eine Organentnahme aus, darunter sind eine HIV-Infektion, eine Hepatitis-B-Infektion, eine Krebserkrankung, eine Sepsis (Blutvergiftung) und eine Tuberkulose.

Bedingungen einer Organentnahme
Die Grundvoraussetzung einer Organentnahme ist das Vorliegen eines Hirntods.

6. Was ist ein Hirntod?
Der Hirntod ist ein unumkehrbarer Funktionsausfall aller Hirnanteile. Die betroffene Person hat zunächst eine schwere Hirnschädigung und liegt deswegen in einem Koma. Ein Koma ist der schwerste Grad einer quantitativen Bewusstseinsstörung. Personen im Koma zeigen keine Reaktion auf starke äußere Reize und haben keine eigene Atmung.
Nachdem andere Ursachen für dieses Koma ausgeschlossen wurden, wird die Person von einem Facharzt neurologisch untersucht. Hierbei werden wichtige Reflexe, die in überlebenswichtigen Hirnregionen ausgelöst werden, untersucht. Sind diese Reflexe nicht vorliegend, muss eine bestimmte Wartezeit (hirnschädigungsabhängig nach 12h oder 72h bei Erwachsenen) eingehalten werden, um die Irreversibilität des Hirntods nachzuweisen. Nach dieser Wartezeit werden die gleichen Untersuchungen wiederholt. Zeigt die Person erneut keine Reaktion, liegt ein Hirntod vor. Die Diagnose des Hirntods ist vollkommen unabhängig von einer Organspende. Außer dem ist der Hirntod eine eher seltene Diagnose. Es sterben jährlich ca. 2 000 Personen in Deutschland an einem Hirntod.

7. Kann ich nach dem Hirntod etwas spüren oder wahrnehmen?
Das Gehirn ist einfach gesagt die zentrale Schaltstelle unseres Körpers, in der alle wahrgenommenen Informationen verarbeitet werden. Zudem ist das Gehirn für alle kognitiven Prozesse („Denken“) und die Steuerung aller übergeordneter Bewegungen zuständig. Ohne diese Verarbeitung kann nichts wahrgenommen werden. Die Person spürt deswegen keinen Schmerz, weil sie diesen nicht verarbeiten und damit wahrnehmen kann.

8. Wer regelt die Organspende in Deutschland?
Die Organspende wird in Deutschland über das Transplantationsgesetz geregelt. Die Definition des Hirntods und der Wartelistenkriterien obliegt der Bundesärztekammer. Die Deutsche Stiftung Organtransplantation ist bei der Spendererkennung, -versorgung und Organentnahme als Unterstützung wichtig. Eurotransplant ist für die Organverteilung innerhalb der Mitgliedsstaaten Belgien, die Niederlande, Luxemburg, Deutschland, Kroatien, Slowenien, Ungarn und Österreich verantwortlich. Transplantationzentren senden ihre Daten der Empfänger an Eurotransplant, welches für gerade entnommene Organe einen passenden Empfänger sucht.

9. Warum ging es in den vergangenen Organspendeskandalen?
In den Organspendeskandalen ging es um die Manipulationen einzelner Ärzte an den Daten der Organempfänger (bezogen auf den Skandal über Lebentransplantationen in Göttingen).
Durch diese Veränderungen erhielten die Patienten früher ein Organ durch Eurotransplant. Dafür wurden z.B. Laborwerte manipuliert. Es fand keine systematische Fehlverteilung von Organen durch die beteiligten Organisationen statt. Es wurden auch keine Organe gehandelt.

10.Was hat sich seit den Organspendeskandalen in Deutschland getan?
Die Organspendeskandale drehten sich v.a. im Manipulation von Daten der Empfänger, damit diese schneller durch Eurotransplant ein Organ bekommen. Seit der Überarbeitung des Organspendegesetzes im Jahr 2012 sind systematische und nicht nur anlassbezogene Überprüfungen der Transplantationszentren möglich. Die Resultate dieser Untersuchungen werden auf der Internetseite der Bundesärztekammer veröffentlicht.

11. Können mit der Organspende Eigenschaften des Spenders auf den Empfänger übertragen werden?
Fähigkeiten und Charaktereigenschaften sind Eigenarten, die durch individuelle Prägung, Übung und Erfahrung bestimmt werden. Diese Eigenschaften sind stark vereinfacht dargestellt von den neuronalen Strukturen des Gehirns abhängig. Deswegen können keine Eigenschaften übertragen werden.

12.Warum soll ich einen Organspendeausweis ausfüllen?
Jährlich sterben in Deutschland laut Daten von Eurotransplant 1 000 Personen auf Organwartelisten. Diese Tode wären durch Organspenden vermeidbar. Viele Personen, die an einem Hirntod sterben, haben ihre Haltung nicht festgehalten. Angehörige, die die Entscheidung des Verstorbenen nicht kennen, stehen vor der schwierigen Entscheidung im Sinn des Verstorbenen zu entscheiden. In dem man seine oder ihre Entscheidung festhält, werden die Angehörigen entlastet.

13.Wo kann ich mich über Organspende informieren?
Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung stellt auf den folgenden Webseiten
Informationen zur Verfügung:
https://www.organspende-info.de
http://www.organpaten.de

Falls euch noch andere Fragen unter den Fingernägeln brennen, schreibt sie bitte unter den Facebook-Post oder an elisa[at]dergoldenealuhut.de.

von Elisa Tackmann

Kommentare sind geschlossen.