Miracle Mineral Supplement (MMS) – ein ätzendes Geschäft

Immer wieder liest man im Internet von dem sogannten MMS (Miracle Mineral Supplement), dem nachgesagt wird, Malaria innerhalb von 24 Stunden und Krebs innerhalb weniger Wochen zu heilen. So gut wie jede Krankheit, versprechen Anwender, sei mit MMS behandelbar. Es wird behauptet, die Mixtur könne zwischen „guten“ und „schlechten“ Zellen unterscheiden, töte nur die schlechten aber verschone die guten.

Viele Anwender geben das von Ex-Scientologe Jim Humble vermarktete Mittel auch ihren Kindern und Tieren. Ganz Hartgesottene verabreichen sich MMS mehrfach täglich als Einlauf.

Was ist MMS?
MMS steht für Miracle Mineral Supplement oder Solution. Es ist ein Stoffgemisch aus Natriumchlorit und einer schwachen Säure (laut der englischen Wikipedia und der FDA).

Wie soll MMS wirken?
MMS soll laut der deutschen Webseite von Jim Humble, dem Entdecker und Verfechter von MMS, schädliche Mikroorganismen abtöten, ohne dabei menschliche Zellen zu schädigen. Zudem soll es durch Oxidation Schwermetalle aus dem Körper entfernen und Gifte neutralisieren. Es wird als Wundermittel gegen Krebs, HIV, Malaria und Autismus gepriesen.

Welche Auswirkungen hat die Einnahme von MMS tatsächlich?
Wird Natriumchlorit in eine schwache Säure (hier beispielsweise Salzsäure) gelöst, entstehen Natriumchlorid (normales Kochsalz) und Chlordioxid (5 NaClO2 + 4 HCl → 5 NaCl + 4 ClO2 + 2 H2O). Natriumchlorit selbst ist ein weißliches und geruchloses Pulver, das laut EU-Gefahrenstoffkennzeichnung als brandfördernd, sehr giftig und umweltgefährlich eingestuft wird. Chlordioxid ist ein in Wasser lösliches Gas, das ebenfalls brandfördernd, sehr giftig und umweltgefährlich ist.
MMS wirkt bei einer oralen Einnahme ätzend und kann zu Übelkeit, Erbrechen, Durchfällen, Atemstörungen und Hautverätzungen führen. Laut dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte wurden bei Einnahme von MMS Nierenschädigungen, Verätzungen der Speiseröhre und schwere Augenschäden (durch das aufsteigende Gas) beobachtet.

MMS und Autismus
Die amerikanische MMS-Befürworterin Kerri Rivera propagiert die Heilung von Autismus durch MMS-Einläufe. Diese Einläufe sollen Parasiten im Darm abtöten und somit das behandelte Kind von Autismus heilen. Tatsächlich lösen sich durch die ätzenden Eigenschaften von MMS Teile der Darmschleimhaut, die ein längliches, wurmartiges Aussehen haben (siehe Zum Weiterlesen). Das Kind kann Durchfall, Fieber und Darmverätzungen erleiden.

Wie wird MMS durch Gesundheitsbehörden bewertet?
Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte, das Bundesinstitut für Risikobewertung, die amerikanische FDA (Federal Drug Administration), die Verbraucherzentrale und die kanadische Gesundheitsbehörde Health Canada bewerten MMS als gesundheitsgefährdend und raten von jeglichem Verzehr ab. Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit warnt ebenso vor einer Anwendung bei Tieren, da die Einnahme hier ähnliche Gefahren birgt.
Das ARD Mittagsmagazin und Kontraste berichteten bereits über MMS. Achtung, für sensible Personen ungeeignet!
In Deutschland ist MMS legal nur als Reinigungsmittel verfügbar.

Die schwarze Salbe
Im Jim-Humble-Verlag wird ebenfalls für Schwarze Salbe als Anti-Krebs-Mittel geworben. Diese Salbe ist nicht zu verwechseln mit der schwarzen Salbe, die Ammoniumbituminosulfonat enthält und als anti-entzündliches Medikament eingesetzt wird. Die meistens Zinkchlorid enthaltende Schwarze Salbe wirkt hochgradig ätzend und kann Hautdefekte hinterlassen. Psiram berichtet ebenfalls über die Schwarze Salbe und zeigt Abbildungen der Folgen einer Anwendung dieser Salbe (Achtung, für sensible Personen ungeeignet!).

Zusammenfassung
• MMS wird von mehreren Gesundheitsbehörden als gesundheitsschädigend eingestuft.
• Der Vertrieb von MMS als Arzneimittel ist in Deutschland verboten.
• Die Einnahme von MMS kann Gesundheitsschäden mit sich bringen.
• Die Schwarze Salbe ist ebenso wie MMS als gefährliche Pseudomedizin einzustufen.

Quellen:
Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte
FDA
Bundesinstitut für Risikobewertung
Health Canada
Verbraucherzentrale
Bundesinstitut für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit
(alle abgerufen am 13.08.2016)

Zum Weiterlesen:
Motherboard (VICE)
Psiram (Eintrag zu MMS)
Psiram (Blog)
GWUP

von Elisa Tackmann

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