The Return of the Putinversteher

Friedensfahrt – Teil 2: 21.8.2016
Zum Teil 1 geht es hier: http://blog.dergoldenealuhut.de/2016/08/13/bericht-zur-auftaktveranstaltung-der-friedensfahrt-2016/
Für Hintergrundinformationen zu den Protagonisten sei auf Teil 1 verwiesen.

Heute sollten also die 250 Recken aus Moskau zurückfinden, die sich dort heldenhaft für die deutsch-russischen Beziehungen und den ewigen Weltfrieden eingesetzt haben. Diese Ankündigung könnte auch aus dem Staatsfernsehen der DDR stammen. Ähnlichkeiten zur historischen Friedensfahrt scheinen durchaus beabsichtigt. Ort ist wieder der Platz des 18. März. Was sofort auffällt, es ist diesmal deutlich weniger Betrieb. Was gleich geblieben ist, Wojna steht auf der Ladefläche eines Sixt-LKW und hetzt gegen die USA. Bisher vor knapp 100 mäßig interessierten Zuhörern und einer deutlich präsenteren Polizei.

Noch während Wojna ein Lied zum Besten gibt, wird Owe Schattauer, einer der Organisatoren, telefonisch zugeschaltet. Wojna ist von der Unterbrechung nicht begeistert und will erst einmal fertig trällern. Danach wird Owe zurückgerufen. Trotz schlechter Verbindung ist zu verstehen, dass der Konvoi losgefahren sei. Der Abfahrtsort geht aber im Rauschen unter. Man einigt sich darauf, dass mit der Ankunft in etwa 45 Minuten zu rechnen sei. Wojna nutzt die Zeit mit einer Schimpftirade über einen, den Faschisten nahe stehenden, Polizeichef in der Ukraine. Als nächstes greift er ein Thema von vor 2 Wochen auf, und hackt auf der Atlantik-Brücke rum (https://www.atlantik-bruecke.org/, https://de.wikipedia.org/wiki/Atlantik-Br%C3%BCcke). Er zieht Vergleiche mit der Mafia und krönt diese mit einem Lied. Danach darf sein, aus dem Berliner Umland stammende, Kumpel Photon seine Rhymes zum Besten geben.

Von einem befreundeten Fotografen werde ich auf Thoma Löbnitz aufmerksam gemacht. Dieser gibt sich als Künstler aus und ist Gast auf zahlreichen Mahnwachen, bis hin zu stramm nationale Aufmärschen (http://friedensdemowatch.blogsport.eu/tag/nazis/), wie der „Merkel muss weg Demo“ am 30.7.16 (http://archive.is/XJDah). Löbnitz ist auch bekannt dafür, Größen der rechts-nationalen Verschwörerszene wie Curd Schumacher oder Katrin Oertel bei sich übernachten zu lassen. Auf seinem Balkon entstand das bekannte Video mit einem telefonierenden Curd Schumacher und einem sich daneben Betrinkenden Dennis Ingo Schulz, genannt TTA. Löbnitz versuchte auffällig unauffällig Bilder von den anwesenden kritischen Personen zu machen.

Derweil fährt hupend auf der Straße des 17. Juni der Reisebus mit den Friedensfahrt-Teilnehmern vorbei. Der Teilnehmer mit dem Zionismusproblem von letztem Mal versucht sich auch wieder unter die Menschen zu mogeln, wird aber von Veranstalter und Polizei konsequent des Platzes verwiesen. Derweil treffen die ersten Fahrzeuge begleitet von einer Polizeieskorte auf dem Pariser Platz ein. Die Zuschauer“menge“ strömt durch das Brandenburger Tor zur Begrüßung. Video: https://twitter.com/MullSSL/status/767388216819408900

Bild 8, von Jörn Beckmann

Bild 8, von Jörn Beckmann

Die Fahrzeuge suchen sich jetzt einen Parkplatz, die Zuschauer warten gespannt auf die Berichte der Heimkehrer, aber Wojna ist jetzt beim Thema “Waffen für Lybien” angekommen und nicht so schnell zu bremsen. Da sich noch keiner der Heimkehrer auf dem Platz des 17. März blicken ließ bemerkte Wojna selbstkritisch: „… bleibt mir nichts anderes übrig als euch weiter mit Musik zu maltretieren.“ Diese Drohung wurde dann auch gleich konsequent umgesetzt. Mit einem Song über Neuschwabenland.

Wojna deutete auf die Straße des 17. Juni, weil sich dort der Konvoi noch einmal zeigen würde. Die Menschenmenge strömte hin, aber es waren nur einzelne Fahrzeuge zu sehen (Bild 8). Wojna rette die Situation mit der Bemerkung, dass er ja nur mal zeigen wollte wie die Bild-Zeitung funktioniert. Wenn die was schreiben, dann würden es auch alle glauben. Nach 20 Minuten endlich betritt Carsten Halffter die improvisierte Bühne. Er sieht ziemlich fertig aus. Er berichtet stolz, dass sie in Moskau „wie 250 Willy Brandts“ empfangen wurden. Er präsentiert die Ikone, die er am Abfahrtstag geschenkt bekommen habe. So ganz hat der Schutz aber nicht funktioniert, sein Auto hätte einen Schaden und ein Fahrzeug habe es gar nicht zurück nach Berlin geschafft. Derweil strömen weitere Teilnehmer der Fahrt auf den Platz (Bild 9).

Carschten redet weiter über ein Gruppenfoto vor der NATO-Basis Siauliai (https://de.wikipedia.org/wiki/Flughafen_%C5%A0iauliai) in Litauen. Der diensthabende Polizist hätte ihnen sogar eine der Flaggen abgenommen um sie im Polizeimuseum des Ortes aufzubewahren. Wenn man allerding in das Blog einer Teilnehmerin blickt (http://www.free21.org/tag-3-auf-dem-weg-nach-moskau/) so scheint der Empfang in Litauen doch nicht so ganz herzlich gewesen zu sein. Vielleicht wurde das Winkelement ja als Beweismittel beschlagnahmt. Mein Freund Löbnitz posiert inzwischen für Gruppenfotos mit Teilnehmern. Als Künstler müsse er ja solche Events besuchen, um dort „die vibes“ aufzufangen, wie er selbst sagt.

Bild 9, von Jörn Beckmann

Bild 9, von Jörn Beckmann

Derweil ist der eine Kopf der Friedensfahrt, Rainer Rothfuß auf der Bühne angekommen. Auch er spricht über das Erlebnis in Litauen und wartet mit der freudigen Nachricht auf, dass nur wegen ihrer Friedensfahrt dort nun keine deutschen Truppen mehr stationiert werden würden. Kunststück, findet die Stationierung der Deutschen Luftwaffe im Rahmen des „Baltic Air Policing“ doch in Estland und nicht in Litauen statt (http://www.luftwaffe.de/portal/a/luftwaffe/!ut/p/c4/04_SB8K8xLLM9MSSzPy8xBz9CP3I5EyrpHK9nHK9ktTEXL3UzLxivcSCJP2CbEdFAGnjRPk!/).

Es trudeln nach und nach mehr Mitfahrer ein und werden auf die Bühne gebeten, um dort ihre Eindrücke von der Fahrt zu schildern. Derweil setzt auch der Regen ein und die Zuschauer flüchten sich unter das Brandenburger Tor. Der zwischenzeitlich gut gefüllte Platz ist inzwischen wieder recht leer geworden. Die Teilnehmer berichten stolz von ihren Fotos mit russischen Soldaten. Ich hatte auch bereits einen Blog-Beitrag gelesen, in der eine Teilnehmerin freudig von ihren Erlebnissen mit russischen Fallschirmjägern berichtet (http://www.free21.org/russland-tour-friedensfahrt-berlin-moskau-die-friedensflieger-springen-fuer-den-frieden-14-august/). Für eine Friedensfahrt ergibt das bei mir doch ein etwas seltsames Bild.

Rainer Rothfuß muss jetzt zu einem Interview mit dem ZDF und Owe Schattauer, der zweite Organisator übernimmt das Wort. Beim Stichwort ZDF regt sich dieser darüber auf, dass in Russland sogar im Staatsfernsehen über die Fahrt berichtet wurde, der einzige Bericht in den deutschen Medien sei aber nur in der heute-Show am vergangenen Freitag gewesen. Dort seien sie unseriös dargestellt worden. Ich bin doppelt irritiert. Zunächst einmal gab es vor 14 Tagen einen Bericht in der rbb Abendschau und von einer heute-Show Sendung hatte ich gar nichts mitbekommen. Gut, im fernen Russland hat Owe das mit der Abendschau vielleicht nicht mitbekommen, aber woher weiß er das dann mit der heute-Show? Zuhause prüfe ich die Sache nach. Tatsächlich gab es am vergangenen Freitag (19.8.2016) keine heute-Show sondern Olympia. Die heute-Show ist noch in der Sommerpause. Da hat Owe Schattauer sich wohl „geirrt“ um es mal vorsichtig auszudrücken.

Die Stimmung droht wegen des Regens und des endlosen Gequatsches ein wenig zu kippen. Zur Abwechslung wird mal wieder gesungen, diesmal aber nicht von den diensthabenden Wahnbarden Wojna oder Photon sondern die Teilnehmer entscheiden sich zu einem spontanen Kalnka, dass sie während der Fahrt schon öfter zum besten gegeben haben. Video: https://twitter.com/MullSSL/status/767404406413332481

Das Ruder der Veranstaltung übernimmt nun Germaid Ponge, die unter ihrem Vornamen auch als Künstlerin auftritt (http://www.germaid.de/page.php?ID=8&lang=de). Es handelt sich um die Dame, die über den Fallschirmsprung beim russischen Militär gebloggt hatte. Ich bin positiv überrascht, weil jetzt endlich mal eine Person mit Gesangstalent auftritt. Video: https://twitter.com/MullSSL/status/767409431453769728

Meine gute Meinung ändert sich aber schlagartig als Germaid davon anfängt, dass eine Trauer über die Kriegstoten nicht möglich sei, solange auf Deutschland noch die Schuld am 2. Weltkrieg lasten würde. Erst wenn Deutschland von dieser Schuld befreit sei, könne die Trauer beginnen.

Nun will Wojna auch mal wieder. Allerdings hat Owe andere Pläne und nimmt ihm nach kurzer Zeit das Mikro weg. Er erkundigt sich bei den Teilnehmern, ob sie noch einmal mit ihm fahren würden und erweitert das dann noch indem er China als Ziel ins Gespräch bringt. Grotesk wird es, als ein Teilnehmer auf die Freiheit der russischen Medien zu sprechen kommt. Dort gäbe es einen Sender der 24 Stunden am Tag Putin kritisieren würde. Wo sei denn der Sender, der Frau Merkel kritisieren würde. Mein Kopf will an eine Wand schlagen, leider ist keine da. Jetzt treffen auch die Motorradfahrer ein. Es sind deutlich weniger als bei der Abfahrt und von den auffälligen Kutten ist auch nichts zu sehen. Am Infomobil fällt mir ein T-Shirt auf „911 selbst gemacht“. Aha. Auf der Bühne spricht derweil eine Israelin über die Blockade in Gaza und wie sehr sie hofft, dass diese bald enden möge. Dieses Stichwort benutzt Carschten, um darauf zu verweisen, dass da ja ein Kritiker vor 2 Wochen ein Foto von einer Person mit einem antisemitischen Plakat gepostet hätte (wer das wohl war). Dieses Bild sei ganz klar eine Fotomontage gewesen sagt er. Und bedankt sich bei der Polizei, dass die diesen Menschen heute aus der Demo entfernt hätten.

Als nächstes wird über die schlechte Zahlungsmoral von Putin gemeckert. Obwohl sie doch alle Putin-Trolle seien, wäre noch kein Scheck aus Moskau gekommen. Tja, die NWO zahlt über die Antifa UG (haftungsbeschränkt) deutlich besser und zuverlässiger als der Kreml. Muss man wissen.

Wojna bringt ins Gespräch, dass es doch so viele Stiftungen gäbe, die von Amerika finanziert seien. Ob es nicht eine russisch unterstütze NGO gäbe, die die Friedensfahrt fördern könne. Dies möchte er mit Rainer besprechen, aber der quatscht noch immer in die Kamera vom ZDF. Stattdessen widerspricht im Carschten, dass das ja nicht ginge, da Putin bei sich solche ausländischen NGOs ja verboten hätte. Nach kurzer Zeit fällt ihm auf, dass das Argument ein Eigentor war und er versucht es zu retten mit „Also Putin hat nichts gegen NGOs, er will sie bloß kontrollieren“. Ich kann mir ein Lachen nicht verkneifen und ernte später beim Abschied dafür noch einen bösen Blick von Carschten.

Photon dreht nun ein Musikvideo.

Jetzt singen alle „Freude schöner Götterfunken“, was mich doch ziemlich irritiert. Schließlich handelt es sich um die Hymne der EU, die in Kreisen der „Erwachten“ sich keiner großen Beliebtheit erfreut. Während ich noch Germaid lausche fällt mir auf, wie schlecht doch Wojna im Vergleich singen kann.

Bild 10, von Jörn Beckmann

Bild 10, von Jörn Beckmann

Jetzt übernimmt eine andere Teilnehmern die Gesangsdarbietung. Leider hat sie ihre Textzettel im Bus vergessen, aber das wird schon so gehen. Alle wollen gemeinsam dieses Lied mit „Shalom“ singen. Man bricht sich also einen ab mit „Hevenu Shalom Alechem“, die Sängerin betont dabei aber, dass sie die israelische Politik selbstverständlich nicht unterstützen würde. Weiter geht es dann mit dem russischen Beitrag zum diesjährigen Eurovision Song Contest. Es sei ganz klar Schiebung gewesen, dass der nicht gewonnen hätte. Der Sängerin fällt inzwischen auf, dass sie ja das falsche „Shalom“ gesungen hat, sie wollte doch „Shalom chaverim“ singen. Also gibt es das jetzt auch noch. Mein Kopf sucht wieder nach der nicht vorhandenen Wand.

Bevor Wojna explodiert, darf er auch nochmal ran und beginnt mit einem Monolog zum Thema Identität. Die Zuschauer strömen ab. Rainer Rothfuß ist nun fertig mit dem ZDF und wendet sich an seine Jünger, ähm die Teilnehmer der Friedensfahrt. Er wirbt für eine Petition zum Thema „Frieden mit Russland“ (https://www.openpetition.de/petition/online/frieden-mit-russland-ist-fuer-uns-unverzichtbar). Diese soll am 3.10. im Rahmen des Tages der Deutschen Einheit an Frau Merkel übergeben werden. Rainer sieht seine Chancen realistisch, dass da wohl Bodyguards sein werden, die das verhindern. Aber es werden auch Fernsehkameras da sein, die dann dokumentieren, dass ein Frieden mit Russland nicht gewollt sei. Es wird wieder gesungen, diesmal „Wind of change“. Die Veranstaltung war bis 20 Uhr angemeldet, es ist inzwischen fast halb neun. Ich werde langsam nervös, die Polizisten auch. Wir wollen nach Hause. Wojna verkündet die gute Nachricht, dass es die Bandbreite am heutigen Tag nicht mehr geben wird. Auf meinen Applaus wird durch irritiertes Gucken reagiert.

Aber noch bin ich nicht erlöst. Owe Schattauer will noch etwas über die Nachtwölfe erzählen, das sei ja auch in den hiesigen Medien falsch dargestellt. Die Nachtwölfe wären absolut friedlich, keine Drogen, keine Gewalt nur fundamentales Christentum. Er berichtet, dass er für 3 Tage mit den Nachtwölfen auf der Krim gewesen sei (http://friedensdemowatch.blogsport.eu/2016/08/). Ausführlich wolle er davon beim Seefest erzählen, welches vom 16. bis 18. September in Fürstenberg stattfinden soll. Mit dabei sind die üblichen Verdächtigen. Wojna wird dort seine neue CD „Die letzten Linken“  präsentieren, Photon ist dabei sowie Denzko, den man schon auf den letzten zwei Chemtrail-Demos bewundern konnte. Vorträge gibt es natürlich auch. Neben Owe und Rainer werden Christoph Hörstel, Rico Albrecht von der Wissensmanufaktur, Lars Märholz von der Berliner Mahnwache sowie Lukas Puchalski erwartet, der den Vertrieb für free21 macht, eine Art Pressespiegel der aufgewachten Medien.

Nächster Werbeblock dann von Rainer. Am 1.10. will sich Ken Jebsen mit 25.000 Teilnehmern am Kanzleramt treffen, es handelt sich um eine Fortsetzung des Ramstein-Events mit 5.000 Teilnehmern. Dort sollen auch noch einmal Unterschriften für die Petition gesammelt werden.

Carschten zappelt schon die ganze Zeit in seinem Infomobil herum, und möchte auch noch was sagen. Er macht Werbung für die Mahnwache jeden Montag um 18 Uhr am Alexanderplatz. Dann bin ich erlöst und darf nach dem bereits erwähnten bösen Blick von Carschten endlich nach Hause.

Mein Eindruck ist, dass viele der Teilnehmer wirklich an die gute Sache glauben. Ihr Problem ist, dass sie kein russisch sprechen und daher nur den durch die Dolmetscher gefilterten Kontakt hatten. Wojna dagegen halte ich für einen gefährlichen Hetzer der Unruhe stiften möchte. Nix mit Frieden.

von Jörn Beckmann

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